Paul Gutama Soegijo


© Anne Soegijo
Paul Gutama Soegijo wurde 1934 in Yogyakarta (Zentraljava) geboren. Er erwarb am Konservatorium Amsterdam Diplome in Geige und Musiktheorie und studierte ab 1965 an der Hochschule für Musik in Berlin bei Boris Blacher Komposition. Gutama fühlte sich zuhause sowohl in der europäischen Moderne als auch in seiner heimatlichen Gamelan-Tradition. Nach Jahren als Komponist der „westlichen“ Neuen Musik gründete er 1973 die Banjar Gruppe als experimentelles Ensemble; mit ihm wandte er sich in den späten 70er Jahren wieder verstärkt der Gamelan-Musik zu. Außer als Komponist wirkte Gutama als Percussion-Musiker, Performer und Tänzer bei Aufführungen eigener Werke. In seiner Neuen Ahnenmusik wird die archaische Pracht des uralten javanischen Gamelan-Orchesters mit innovativen Mitteln wie schrägen Rhythmen und kühnen Instrumentalkombinationen zu schillerndem neuen Leben erweckt. Dem musikalischen Geist seiner Vorfahren stets treu bleibend, holte Gutama faszinierende neue Möglichkeiten aus der Verborgenheit einer jahrhundertealten Tradition. Die majestätisch-bronzenen Klänge von Gongs und großen Metallophonen begeben sich in eine abenteuerlich-sinnliche Verbindung mit Schlagzeug, Saxophon und anderen Instrumenten, ohne dabei ihre ursprüngliche Identität zu verlieren. Die Kompositionen Gutamas fühlen sich der Dynamik der Erneuerung verpflichtet und bewahren dennoch die magisch-ritualistische Authentizität der Gamelanmusik in sich.
Die Banjar Gruppe Berlin besteht aus sechs Musikern, die zum Teil seit Jahrzehnten zusammen spielen und neben der Ausübung der traditionellen Gamelan-Musik Javas stets neue Spieltechniken erarbeiten. So entwickelt sich aus der zutiefst traditionellen Musikalität ein gemeinsamer dynamischer Innovationsprozess, der sich in Gutamas Kompositionen auf einmalige Weise hörbar macht. Bei ihren Auftritten in zahlreichen Konzerten und Festivals in Europa und Asien seit 1974 spielte die Gruppe auch mehrfach als kulturelle Vertretung der Stadt Berlin und in Jakarta, Vancouver und Hongkong als offizieller Beitrag Deutschlands.